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무료Ein Aprilscherz
Pauline Hann
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Das Schelmen-Triumvirat nannte uns zur Zeit, als wir unseren wilden Hafer säten, die Volksstimme in unserer Künstlerstadt. Zweien von uns, dem Genremaler Karl Schönborn und meiner Wenigkeit, tat sie damit entschieden zu viel Ehre an; wir waren keine ebenbürtigen Genossen, wir waren nur die Handlanger des dritten und spielten die Rolle Sancho Pansas, der ganz deutlich sieht, wohin die Tollheit seines Meisters führt, und der ihm doch durch dick und dünn folgt. Ja, Ruppert Ahlfeld war unser Meister im Ersinnen toller Possen; wehe dem Menschenkind, das er sich zur Zielscheibe erkoren! Da war vor etlichen Jahren ein Jüngling von äußerst frommer Gemütsart und tugendhaftem Wandel in unseren Bereich aufgetaucht, den Blasengel nannten wir ihn, wegen seines rundlichen, rosigen Gesichts und des goldblonden Gelocks, das ihm wie ein Glorienschein um den Kopf starrte; auf ihn stieß unser Anführer wie ein Fischadler auf einen fetten Karpfen nieder.
Es hieß, Hugo Lichtner habe sich mit einem steinreichen Verwandten, der ihn zu seinem Erben machen wollte, entzweit, weil er um jeden Preis Stillleben malen musste. Ich bitte Sie – Stillleben! Wenn es Konradins Tod, oder Orest an der Leiche Klytemnestras, oder Judith und Holofernes gewesen wären, an welche Rupert in jugendlichem Größenwahn beispiellos viel Farbe und Leinwand verschwendete, das hätte diesem Respekt eingeflößt, aber sich enterben lassen, um grüne Gurken, einen Teller Trauben, ein Glas mit Goldfischen abzukonterfeien, das konnte er, der sich als Vertreter der großen Kunst fühlte, dem armen Jungen nicht verzeihen. Für Lichtner hatte der erste April bald 365 Tage; kaum war er mit Müh und Not einer Schlinge entronnen, dann stolperte er mit dem arglosesten, vertrauendsten Lächeln von der Welt in die zweite hinein.
„Kinder“, erklärte Rupert mit dem salbungsvollen Ton, den er zuweilen annahm, „wenn es uns gelingt, ihm die himmelblaue Binde über den Augen zu lockern, dann haben wir ein großes Werk vollbracht und verdienen, dass auf unseren dereinstigen Grabsteinen die Worte ‚Wohltäter der menschlichen Rasse‘ eingemeißelt werden.“
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Das Schelmen-Triumvirat nannte uns zur Zeit, als wir unseren wilden Hafer säten, die Volksstimme in unserer Künstlerstadt. Zweien von uns, dem Genremaler Karl Schönborn und meiner Wenigkeit, tat sie damit entschieden zu viel Ehre an; wir waren keine ebenbürtigen Genossen, wir waren nur die Handlanger des dritten und spielten die Rolle Sancho Pansas, der ganz deutlich sieht, wohin die Tollheit seines Meisters führt, und der ihm doch durch dick und dünn folgt. Ja, Ruppert Ahlfeld war unser Meister im Ersinnen toller Possen; wehe dem Menschenkind, das er sich zur Zielscheibe erkoren! Da war vor etlichen Jahren ein Jüngling von äußerst frommer Gemütsart und tugendhaftem Wandel in unseren Bereich aufgetaucht, den Blasengel nannten wir ihn, wegen seines rundlichen, rosigen Gesichts und des goldblonden Gelocks, das ihm wie ein Glorienschein um den Kopf starrte; auf ihn stieß unser Anführer wie ein Fischadler auf einen fetten Karpfen nieder.
Es hieß, Hugo Lichtner habe sich mit einem steinreichen Verwandten, der ihn zu seinem Erben machen wollte, entzweit, weil er um jeden Preis Stillleben malen musste. Ich bitte Sie – Stillleben! Wenn es Konradins Tod, oder Orest an der Leiche Klytemnestras, oder Judith und Holofernes gewesen wären, an welche Rupert in jugendlichem Größenwahn beispiellos viel Farbe und Leinwand verschwendete, das hätte diesem Respekt eingeflößt, aber sich enterben lassen, um grüne Gurken, einen Teller Trauben, ein Glas mit Goldfischen abzukonterfeien, das konnte er, der sich als Vertreter der großen Kunst fühlte, dem armen Jungen nicht verzeihen. Für Lichtner hatte der erste April bald 365 Tage; kaum war er mit Müh und Not einer Schlinge entronnen, dann stolperte er mit dem arglosesten, vertrauendsten Lächeln von der Welt in die zweite hinein.
„Kinder“, erklärte Rupert mit dem salbungsvollen Ton, den er zuweilen annahm, „wenn es uns gelingt, ihm die himmelblaue Binde über den Augen zu lockern, dann haben wir ein großes Werk vollbracht und verdienen, dass auf unseren dereinstigen Grabsteinen die Worte ‚Wohltäter der menschlichen Rasse‘ eingemeißelt werden.“Aber unsere Bemühungen erschienen nicht von dem kleinsten Erfolg gekrönt, der Blasengel blieb leichtgläubig und arglos, als wäre er erst gestern aus den Wolken auf die sündige Erde niedergeflattert.
Einmal hatte er uns im Atelier aufgesucht, nachdem sich Professor P., unter dessen Anleitung unser Triumvirat damals arbeitete, in sein Allerheiligstes zurückgezogen.
Da ging die Tür auf, und ein kleiner, abscheulicher Seidenpinscher sprang uns kläffend an die Beine. Jeder von uns wäre mit Vergnügen bereit gewesen, dem Köter einen herzhaften Fußtritt zu versetzen, allein hinter ihm raschelte ein seidenes Frauenkleid, eine wunderhübsche, junge Dame mit blitzenden Zigeuneraugen, Wangen eines Pfirsichs und einem bezaubernden Stumpfnäschen kam in das Atelier, als hätte sie der Aprilwind hereingeweht, und statt des Fußtritts bückte sich jeder herab, um den Rücken des Scheusals zu tätscheln, das uns zum Dank dafür nach den Fingern schnappte.
„Ich wünsche, den Professor zu sprechen“, sagte das Fräulein mit einem Lächeln, das selbst einen Stein erwärmt hätte, „mein Name ist Ilona Balogh, Porträtmalerin aus Pest.“
Wir wussten schon von ihr. In den paar Tagen, die sie in unserer Stadt verweilte, hatte sie der jüngeren Künstlerschaft (vielleicht auch der älteren, doch, davon schweigt des Sängers Höflichkeit) soweit sie in ihre Nähe geraten, durch ihre Schönheit und ihre pikanten Einfälle die Köpfe verwirrt. – Dienstbeflissen stoben wir auseinander. Rupert schob ihr den pomphaftesten der Krönungssessel hin, ich breitete dem gräulichen Vierfüßler einen kostbaren, persischen Teppich unter, Karl Schönborn pochte an des Meisters Tür, – wie ich vermute nicht ohne Herzklopfen, da dieser, wenn er sich zurückgezogen, eine Störung nicht allzu freundlich willkommen hieß – nur Hugo Lichtner stand wie ein gemeißelter Engel da und starrte mit verzückten Augen auf die junge Dame.
Fräulein Ilona bemerkte es – sie hätte sonst auch stockblind sein müssen – und rückte ihren Stuhl, um sich dem Bereich seiner Blicke zu entziehen; doch auch jetzt mochte sie die hypnotisierten Augen auf sich gerichtet fühlen, denn sie schürzte die Lippen wie in gutmütigem Spott.
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Aber unsere Bemühungen erschienen nicht von dem kleinsten Erfolg gekrönt, der Blasengel blieb leichtgläubig und arglos, als wäre er erst gestern aus den Wolken auf die sündige Erde niedergeflattert.
Einmal hatte er uns im Atelier aufgesucht, nachdem sich Professor P., unter dessen Anleitung unser Triumvirat damals arbeitete, in sein Allerheiligstes zurückgezogen.
Da ging die Tür auf, und ein kleiner, abscheulicher Seidenpinscher sprang uns kläffend an die Beine. Jeder von uns wäre mit Vergnügen bereit gewesen, dem Köter einen herzhaften Fußtritt zu versetzen, allein hinter ihm raschelte ein seidenes Frauenkleid, eine wunderhübsche, junge Dame mit blitzenden Zigeuneraugen, Wangen eines Pfirsichs und einem bezaubernden Stumpfnäschen kam in das Atelier, als hätte sie der Aprilwind hereingeweht, und statt des Fußtritts bückte sich jeder herab, um den Rücken des Scheusals zu tätscheln, das uns zum Dank dafür nach den Fingern schnappte.
„Ich wünsche, den Professor zu sprechen“, sagte das Fräulein mit einem Lächeln, das selbst einen Stein erwärmt hätte, „mein Name ist Ilona Balogh, Porträtmalerin aus Pest.“
Wir wussten schon von ihr. In den paar Tagen, die sie in unserer Stadt verweilte, hatte sie der jüngeren Künstlerschaft (vielleicht auch der älteren, doch, davon schweigt des Sängers Höflichkeit) soweit sie in ihre Nähe geraten, durch ihre Schönheit und ihre pikanten Einfälle die Köpfe verwirrt. – Dienstbeflissen stoben wir auseinander. Rupert schob ihr den pomphaftesten der Krönungssessel hin, ich breitete dem gräulichen Vierfüßler einen kostbaren, persischen Teppich unter, Karl Schönborn pochte an des Meisters Tür, – wie ich vermute nicht ohne Herzklopfen, da dieser, wenn er sich zurückgezogen, eine Störung nicht allzu freundlich willkommen hieß – nur Hugo Lichtner stand wie ein gemeißelter Engel da und starrte mit verzückten Augen auf die junge Dame.
Fräulein Ilona bemerkte es – sie hätte sonst auch stockblind sein müssen – und rückte ihren Stuhl, um sich dem Bereich seiner Blicke zu entziehen; doch auch jetzt mochte sie die hypnotisierten Augen auf sich gerichtet fühlen, denn sie schürzte die Lippen wie in gutmütigem Spott.Ich war wütend. War dies unsere grüne Unschuld, unser keuscher Joseph, den wir trotz aller mephistophelischen Versuchung, und trotzdem die hübsche Nanni in unserer Künstlerkneipe sich mehr als nötig in der Nähe des seraphischen Blondkopfs zu schaffen machte, nie zu der geringsten Aufmerksamkeit gegen das schöne Geschlecht bewegen konnten? Fräulein Balogh musste annehmen, dass die Czikos auf ihrer Pussta mehr Lebensart besaßen, als ihre jungen Künstlerkollegen. Ein vergnügtes Grinsen, das sich über Ruperts Gesicht zog, dämpfte meinen Ärger. Was hatte er wohl wieder ausgeheckt, um Hugo das Leben zu verleiden? Soeben war der Professor in die Tür getreten und geleitete den gut empfohlenen Gast in sein Privatkabinett.
„Habt ihr bemerkt, wie sie den Posaunenengel angesehen hat, so – ergriffen, möchte ich es nennen?“, fragte Rupert. Sein Augenblinzeln, dem bei mir, dem neben ihm Stehenden, ein leiser Stoß mit dem Fuße nachhalf, erleuchtete uns augenblicklich.
„Ja wohl, ja wohl, in ihren Augen lag so etwas wie eine widerstandslos schmelzende Lawine“, versetzte Schönborn, angelegentlich seinen Vollbart streichend.
„Als sie dem Professor folgte, hat sie noch einmal den Kopf sehnsüchtig nach Hugo zurückgewendet“, fügte er hinzu, um hinter meinen phantasiebegabten Genossen nicht ganz und gar zurückzubleiben.

„Glücklicher Mensch, er hat das schönste Mädchen der Stadt im Sturm erobert!“, rief unser Führer.
„Nein; glaubt ihr wirklich, glaubt ihr, sie habe mich auch nur bemerkt?“, fragte Hugo in naiver Freude, mit seinem errötenden Gesicht noch mehr als sonst einem Blasengel ähnlich, der seine Posaune für einen Moment absetzt.
„Glauben?“, versetzte Rupert entrüstet, „Mensch, man hat doch Augen im Kopfe! Wenn das nicht ein Fall von Liebe auf den ersten Blick ist, dann kannst du mich für blind wie Hiob erklären.“
„Aber wie kam sie nur dazu, gerade mir, dem Unbedeutensten von euch, Aufmerksamkeit zu schenken?“
Rupert zuckte die Achsel.
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Ich war wütend. War dies unsere grüne Unschuld, unser keuscher Joseph, den wir trotz aller mephistophelischen Versuchung, und trotzdem die hübsche Nanni in unserer Künstlerkneipe sich mehr als nötig in der Nähe des seraphischen Blondkopfs zu schaffen machte, nie zu der geringsten Aufmerksamkeit gegen das schöne Geschlecht bewegen konnten? Fräulein Balogh musste annehmen, dass die Czikos auf ihrer Pussta mehr Lebensart besaßen, als ihre jungen Künstlerkollegen. Ein vergnügtes Grinsen, das sich über Ruperts Gesicht zog, dämpfte meinen Ärger. Was hatte er wohl wieder ausgeheckt, um Hugo das Leben zu verleiden? Soeben war der Professor in die Tür getreten und geleitete den gut empfohlenen Gast in sein Privatkabinett.
„Habt ihr bemerkt, wie sie den Posaunenengel angesehen hat, so – ergriffen, möchte ich es nennen?“, fragte Rupert. Sein Augenblinzeln, dem bei mir, dem neben ihm Stehenden, ein leiser Stoß mit dem Fuße nachhalf, erleuchtete uns augenblicklich.
„Ja wohl, ja wohl, in ihren Augen lag so etwas wie eine widerstandslos schmelzende Lawine“, versetzte Schönborn, angelegentlich seinen Vollbart streichend.
„Als sie dem Professor folgte, hat sie noch einmal den Kopf sehnsüchtig nach Hugo zurückgewendet“, fügte er hinzu, um hinter meinen phantasiebegabten Genossen nicht ganz und gar zurückzubleiben.
„Glücklicher Mensch, er hat das schönste Mädchen der Stadt im Sturm erobert!“, rief unser Führer.
„Nein; glaubt ihr wirklich, glaubt ihr, sie habe mich auch nur bemerkt?“, fragte Hugo in naiver Freude, mit seinem errötenden Gesicht noch mehr als sonst einem Blasengel ähnlich, der seine Posaune für einen Moment absetzt.
„Glauben?“, versetzte Rupert entrüstet, „Mensch, man hat doch Augen im Kopfe! Wenn das nicht ein Fall von Liebe auf den ersten Blick ist, dann kannst du mich für blind wie Hiob erklären.“
„Aber wie kam sie nur dazu, gerade mir, dem Unbedeutensten von euch, Aufmerksamkeit zu schenken?“
Rupert zuckte die Achsel.„In dem elementaren Zuge von einem Herzen zum andern liegt gewöhnlich etwas Unbegreifliches“, predigte er. In seinem Munde nahmen sich die Lehren überlegener Weisheit stets außerordentlich wirkungsvoll aus. „Aber höre mein Sohn, bilde dir nicht ein, dass du die Hände in den Schoß legst und dich wie ein vom Dach fallender Sperling auf die göttliche Vorsehung verlassen kannst. Die drinnen ist nicht die hübsche Nanni.“
„Erlaube mir die Bemerkung, dass ich es sehr geschmacklos finde, beide in einem Atem zu nennen“, warf Hugo mit ungewohnter Hitze ein.
„Ilona Balogh ist die Tochter eines romantischen Volkes, sie erwartet gewiss ein ritterliches Werben, etwas mittelalterlich troubadourmäßiges“, dozierte Ahlfeld. „Ulrich von Liechtenstein, natürlich etwas den veränderten Zeitläufen angepasst, ohne zerschnittene Lippe und Verkleidung als Frau Venus (letztere würde die prosaische Polizei von heute gar nicht erlauben), das dürfte das angemessene sein, du verstehst mich doch?“
Unser armer Blasengel gab sich alle Mühe, aber zuletzt schüttelte er den Kopf; er verstand ihn nicht.
„Du schickst ihr jeden Tag Blumen und Gedichte; wenn du die letzteren nicht zu Stande bringst, helfen wir dir alle drei dabei; – auch gibt es immer bei den Antiquaren alte, vergessene Schmöker voll lyrischer Empfindungen, die man, ohne ertappt zu werden, abschreiben kann. – Zur Besorgung derselben an deine Dame kannst du den Sohn meiner Hauswirtin verwenden, den anstelligsten kleinen Taugenichts, der je Stiefel auf unserem Pflaster zerriss.“
Gegen den vorgeschlagenen Betrug verwahrte sich das arme Opfer unserer Ruchlosigkeit, aber mit den übrigen Vorschriften erklärte er sich einverstanden; ja er dankte seinem Mentor noch, weil dieser seiner Unerfahrenheit in Liebessachen so brüderlich zu Hilfe kam.
„Du zeigst dich ihr so oft als möglich mit deinem verführerischen Seraphslächeln und dem faszinierenden Blick, der sie vorhin so widerstandslos gefangen nahm, aber, höre mein Sohn, hüte dich, ihr durch ein Wort deine Gefühle zu verraten, bevor sie dir selbst die Erlaubnis dazu gibt.“
Dies erschien zwar bei Hugos Schüchternheit ohnehin ziemlich selbstverständlich, aber unser Freund wünschte sicher zu gehen.
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„In dem elementaren Zuge von einem Herzen zum andern liegt gewöhnlich etwas Unbegreifliches“, predigte er. In seinem Munde nahmen sich die Lehren überlegener Weisheit stets außerordentlich wirkungsvoll aus. „Aber höre mein Sohn, bilde dir nicht ein, dass du die Hände in den Schoß legst und dich wie ein vom Dach fallender Sperling auf die göttliche Vorsehung verlassen kannst. Die drinnen ist nicht die hübsche Nanni.“
„Erlaube mir die Bemerkung, dass ich es sehr geschmacklos finde, beide in einem Atem zu nennen“, warf Hugo mit ungewohnter Hitze ein.
„Ilona Balogh ist die Tochter eines romantischen Volkes, sie erwartet gewiss ein ritterliches Werben, etwas mittelalterlich troubadourmäßiges“, dozierte Ahlfeld. „Ulrich von Liechtenstein, natürlich etwas den veränderten Zeitläufen angepasst, ohne zerschnittene Lippe und Verkleidung als Frau Venus (letztere würde die prosaische Polizei von heute gar nicht erlauben), das dürfte das angemessene sein, du verstehst mich doch?“
Unser armer Blasengel gab sich alle Mühe, aber zuletzt schüttelte er den Kopf; er verstand ihn nicht.
„Du schickst ihr jeden Tag Blumen und Gedichte; wenn du die letzteren nicht zu Stande bringst, helfen wir dir alle drei dabei; – auch gibt es immer bei den Antiquaren alte, vergessene Schmöker voll lyrischer Empfindungen, die man, ohne ertappt zu werden, abschreiben kann. – Zur Besorgung derselben an deine Dame kannst du den Sohn meiner Hauswirtin verwenden, den anstelligsten kleinen Taugenichts, der je Stiefel auf unserem Pflaster zerriss.“
Gegen den vorgeschlagenen Betrug verwahrte sich das arme Opfer unserer Ruchlosigkeit, aber mit den übrigen Vorschriften erklärte er sich einverstanden; ja er dankte seinem Mentor noch, weil dieser seiner Unerfahrenheit in Liebessachen so brüderlich zu Hilfe kam.
„Du zeigst dich ihr so oft als möglich mit deinem verführerischen Seraphslächeln und dem faszinierenden Blick, der sie vorhin so widerstandslos gefangen nahm, aber, höre mein Sohn, hüte dich, ihr durch ein Wort deine Gefühle zu verraten, bevor sie dir selbst die Erlaubnis dazu gibt.“
Dies erschien zwar bei Hugos Schüchternheit ohnehin ziemlich selbstverständlich, aber unser Freund wünschte sicher zu gehen.„Die Frauen dieser interessanten Nation muss man sehr vorsichtig behandeln“, fuhr er mit tiefsinnigem Kopfschütteln fort. „Ein wütend Weib und eine Ungarin nennt sie Grillparzer in einem Atem, und er als nächster Nachbar muss sie doch gekannt haben. Ein unüberlegt-vertrauliches Wort, und wenn sie in Liebe für dich verginge, so würde sie dir doch wie eine beleidigte Königin den Rücken wenden.“
Die Wiederholung unserer angenehmen Erfahrungen mit dem Seidenpinscher, dem seine schöne Herrin auf dem Fuße folgte, unterbrach weitere Betrachtungen. Als sie sich mit leichtem Kopfnicken von uns verabschiedete, unterließ sie es nicht, dem Blondkopf einen schalkhaften Blick zuzuwerfen, der Hugo bis unter die Haarwurzeln erröten machte.
Lächerlicher hat sich nie ein liebeskranker Minnesänger benommen, als unser Blasengel unter dem Einfluss seiner brüderlichen Ratgeber. Rupert hatte, den günstigen Zufall ausnutzend, dass das Gärtchen seiner Hauswirtin an das zu Fräulein Baloghs Wohnung gehörige stieß, Zutritt bei ihr zu erlangen gewusst, obschon sie sonst nicht viel Verkehr mit dem jungen Künstlervolk pflog. Er tat dies, wie er versicherte, nur um Hugos willen, damit er ihn auf das genaueste über ihre Liebhabereien und Antipathien zu unterrichten vermochte.
Diese waren etwas veränderlich; das blonde Bärtchen, das unserem Opfer fast gleichzeitig mit seiner Liebe aufgesprosst war, musste sich die einschneidendsten Veränderungen gefallen lassen, denn einmal schwärmte Ilona für vollbärtige Germanenköpfe, das nächstemal stellte Heinrich der Vierte ihr Ideal von männlicher Schönheit vor; bald konnte nur ein Mann mit dem aufgewichsten Schnurrbart ihrer engeren Landsleute Gnade vor ihren Augen finden; dann wieder zwang Hugo eine ihrer bizarren Launen, sich mit ausrasiertem Schnurrbart und zwei fragwürdigen Kotelettes einem amerikanischen Geschäftsreisenden so ähnlich zu machen, als es einem Blasengel nur immer möglich ist. Die Kopfbedeckungen, Halsbinden und Samtröcke, die er um jene Zeit trug, lockten zuweilen die Gassenbuben auf seine Fährte.
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„Die Frauen dieser interessanten Nation muss man sehr vorsichtig behandeln“, fuhr er mit tiefsinnigem Kopfschütteln fort. „Ein wütend Weib und eine Ungarin nennt sie Grillparzer in einem Atem, und er als nächster Nachbar muss sie doch gekannt haben. Ein unüberlegt-vertrauliches Wort, und wenn sie in Liebe für dich verginge, so würde sie dir doch wie eine beleidigte Königin den Rücken wenden.“
Die Wiederholung unserer angenehmen Erfahrungen mit dem Seidenpinscher, dem seine schöne Herrin auf dem Fuße folgte, unterbrach weitere Betrachtungen. Als sie sich mit leichtem Kopfnicken von uns verabschiedete, unterließ sie es nicht, dem Blondkopf einen schalkhaften Blick zuzuwerfen, der Hugo bis unter die Haarwurzeln erröten machte.
Lächerlicher hat sich nie ein liebeskranker Minnesänger benommen, als unser Blasengel unter dem Einfluss seiner brüderlichen Ratgeber. Rupert hatte, den günstigen Zufall ausnutzend, dass das Gärtchen seiner Hauswirtin an das zu Fräulein Baloghs Wohnung gehörige stieß, Zutritt bei ihr zu erlangen gewusst, obschon sie sonst nicht viel Verkehr mit dem jungen Künstlervolk pflog. Er tat dies, wie er versicherte, nur um Hugos willen, damit er ihn auf das genaueste über ihre Liebhabereien und Antipathien zu unterrichten vermochte.
Diese waren etwas veränderlich; das blonde Bärtchen, das unserem Opfer fast gleichzeitig mit seiner Liebe aufgesprosst war, musste sich die einschneidendsten Veränderungen gefallen lassen, denn einmal schwärmte Ilona für vollbärtige Germanenköpfe, das nächstemal stellte Heinrich der Vierte ihr Ideal von männlicher Schönheit vor; bald konnte nur ein Mann mit dem aufgewichsten Schnurrbart ihrer engeren Landsleute Gnade vor ihren Augen finden; dann wieder zwang Hugo eine ihrer bizarren Launen, sich mit ausrasiertem Schnurrbart und zwei fragwürdigen Kotelettes einem amerikanischen Geschäftsreisenden so ähnlich zu machen, als es einem Blasengel nur immer möglich ist. Die Kopfbedeckungen, Halsbinden und Samtröcke, die er um jene Zeit trug, lockten zuweilen die Gassenbuben auf seine Fährte.Aber das alles waren verhältnismäßig leichte Opfer, die er seiner Herzensdame brachte; als aber das Sommerfest der Künstler herankam und sein Gesicht von süßen Wiedersehenshoffnungen zu leuchten begann, da zog ihn sein Peiniger bei Seite: „Fräulein Ilona wünscht nicht, dass du mit ihr tanzest, die Leute könnten erraten, was es für ein Bewandtnis mit ihrem Herzen habe.“
Und nun stand er die ganze Nacht wie ein Säulenheiliger in der Ecke und sah zu, wie sich die Geliebte mit jungen Männern – auch mit Rupert – im Tanze drehte. Allerdings blieb der Lohn für seine Enthaltsamkeit nicht aus. Eine dunkle Haarlocke, die, wenn nicht auf Ilonas, so doch auf einem andern Kopfe gewachsen, eine Schleife von der Farbe, wie sie das schöne Mädchen auf dem Feste getragen, etliche zwischen Fließpapier gepresste Wiesenblümelein wurden von demselben zuverlässigen Liebesboten, der seine Bouquets abzuliefern hatte, in seine Hände gespielt. Dass wir drei die krampfhaftesten Zuckungen durchzumachen hatten, als wir ihn dann verklärt, als schwebe er auf Wolken, herumgehen sahen, kann uns wohl niemand verübeln. Übrigens fühlten Karl und ich zuweilen leise Gewissensbisse.
Ohne unser Schüren wäre Hugos Leidenschaft vielleicht aus Mangel an Nahrung zu einem unschädlichen Häuflein glimmender Kohlen zusammengefallen, während sie jetzt lichterloh aufbrannte. Aber unser Hauptmann mochte von einem dramatischen Abschluss mit Enthüllungen nichts hören. Er hatte selber zu tief in Ilonas schöne Augen geblickt, und nun bereitete es ihm ein boshaftes Vergnügen, die heilige Einfalt zu quälen, die sich vermaß, ihre Wünsche auf denselben Gegenstand zu richten, wie Ahlfeld selber. Da verschwand unser Blasengel eines Tags spurlos aus unserem Kreise und aus der Stadt.
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Aber das alles waren verhältnismäßig leichte Opfer, die er seiner Herzensdame brachte; als aber das Sommerfest der Künstler herankam und sein Gesicht von süßen Wiedersehenshoffnungen zu leuchten begann, da zog ihn sein Peiniger bei Seite: „Fräulein Ilona wünscht nicht, dass du mit ihr tanzest, die Leute könnten erraten, was es für ein Bewandtnis mit ihrem Herzen habe.“
Und nun stand er die ganze Nacht wie ein Säulenheiliger in der Ecke und sah zu, wie sich die Geliebte mit jungen Männern – auch mit Rupert – im Tanze drehte. Allerdings blieb der Lohn für seine Enthaltsamkeit nicht aus. Eine dunkle Haarlocke, die, wenn nicht auf Ilonas, so doch auf einem andern Kopfe gewachsen, eine Schleife von der Farbe, wie sie das schöne Mädchen auf dem Feste getragen, etliche zwischen Fließpapier gepresste Wiesenblümelein wurden von demselben zuverlässigen Liebesboten, der seine Bouquets abzuliefern hatte, in seine Hände gespielt. Dass wir drei die krampfhaftesten Zuckungen durchzumachen hatten, als wir ihn dann verklärt, als schwebe er auf Wolken, herumgehen sahen, kann uns wohl niemand verübeln. Übrigens fühlten Karl und ich zuweilen leise Gewissensbisse.
Ohne unser Schüren wäre Hugos Leidenschaft vielleicht aus Mangel an Nahrung zu einem unschädlichen Häuflein glimmender Kohlen zusammengefallen, während sie jetzt lichterloh aufbrannte. Aber unser Hauptmann mochte von einem dramatischen Abschluss mit Enthüllungen nichts hören. Er hatte selber zu tief in Ilonas schöne Augen geblickt, und nun bereitete es ihm ein boshaftes Vergnügen, die heilige Einfalt zu quälen, die sich vermaß, ihre Wünsche auf denselben Gegenstand zu richten, wie Ahlfeld selber. Da verschwand unser Blasengel eines Tags spurlos aus unserem Kreise und aus der Stadt.Wiewohl ich über die Gefühle von Straßenräubern nicht sonderlich genau unterrichtet bin, möchte ich behaupten, dass sie mit meinen und Schönborns viel Verwandtes hatten. Wir setzten voraus, Hugo habe erfahren, welche Narrenrolle wir ihn spielen ließen und sich, aus allen erträumten Himmeln gestürzt, ein Leids angetan. Selbst Rupert ging merkwürdig kleinlaut herum. Aber als nach vielen Wochen Hugo mit einem Trauerflor um den Hut wieder in der Glorie eines Vollbärtchens und mit schärfer und bestimmter umrissenen Zügen unter uns auftauchte, erwachte der alte Adam sogleich wieder in ihm, und er rief dem Eintretenden entgegen: „Landstreicher, wo hast du gesteckt? Ilona hat sich nicht wenig um dich geängstigt; kein Tag verging, an dem sie nicht wenigstens über den Gartenzaun hinüber nach dir fragte.“
„Ich wurde zu meinem todtkranken Onkel berufen und vermochte, wie ihr euch vorstellen könnt, an seinem Sterbebette nichts anderes zu denken, als dass der alte Mann mir viel Gutes erwies, und dass ich ihm zum Danke dafür die größte Enttäuschung seines Lebens bereitet habe.“
„Hoffentlich wurde bei deinem Erscheinen das bewusste gemästete Kalb geschlachtet?“, fragte Karl.
„Zu Festlichkeiten waren die Umstände nicht angetan; aber der verlorene Sohn wurde mit offenen Armen aufgenommen.“
„Trotz deiner Grünzeugbilder?“, spottete Rupert. „Dein Onkel war viel zu nachsichtig; ich hätte es nicht über mich gebracht.“
„Die Grünzeugbilder (übrigens waren es diesmal zwei Fruchtstücke) bahnten die Aussöhnung an“, versetzte Hugo triumphierend, „sie wurden in meiner Heimat ausgestellt, und mein Onkel las im Lokalblättchen allerhand Erbauliches von einem ‚vielversprechenden Sohn der Vaterstadt, dem Neffen eines unser angesehensten Mitbürger.‘ Das Zureden alter Freunde tat das Übrige. Vor seinem Tode hat er mir sogar das Zugeständnis gemacht, dass nicht jeder von Mutter Natur so glücklich begabt sein könne, um eine Zündhölzchenfabrik mit Erfolg leiten zu können, und dass es auf dieser unvollkommenen Welt auch ‚Phantasten‘ (nämlich Maler, Musiker, Dichter u. s. f.) geben müsse.“
„Und so bist du vermutlich ein herzloser Kapitalist geworden?“, fragte Ahlfeld mit einem Stirnrunzeln; (er war keiner).
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Wiewohl ich über die Gefühle von Straßenräubern nicht sonderlich genau unterrichtet bin, möchte ich behaupten, dass sie mit meinen und Schönborns viel Verwandtes hatten. Wir setzten voraus, Hugo habe erfahren, welche Narrenrolle wir ihn spielen ließen und sich, aus allen erträumten Himmeln gestürzt, ein Leids angetan. Selbst Rupert ging merkwürdig kleinlaut herum. Aber als nach vielen Wochen Hugo mit einem Trauerflor um den Hut wieder in der Glorie eines Vollbärtchens und mit schärfer und bestimmter umrissenen Zügen unter uns auftauchte, erwachte der alte Adam sogleich wieder in ihm, und er rief dem Eintretenden entgegen: „Landstreicher, wo hast du gesteckt? Ilona hat sich nicht wenig um dich geängstigt; kein Tag verging, an dem sie nicht wenigstens über den Gartenzaun hinüber nach dir fragte.“
„Ich wurde zu meinem todtkranken Onkel berufen und vermochte, wie ihr euch vorstellen könnt, an seinem Sterbebette nichts anderes zu denken, als dass der alte Mann mir viel Gutes erwies, und dass ich ihm zum Danke dafür die größte Enttäuschung seines Lebens bereitet habe.“
„Hoffentlich wurde bei deinem Erscheinen das bewusste gemästete Kalb geschlachtet?“, fragte Karl.
„Zu Festlichkeiten waren die Umstände nicht angetan; aber der verlorene Sohn wurde mit offenen Armen aufgenommen.“
„Trotz deiner Grünzeugbilder?“, spottete Rupert. „Dein Onkel war viel zu nachsichtig; ich hätte es nicht über mich gebracht.“
„Die Grünzeugbilder (übrigens waren es diesmal zwei Fruchtstücke) bahnten die Aussöhnung an“, versetzte Hugo triumphierend, „sie wurden in meiner Heimat ausgestellt, und mein Onkel las im Lokalblättchen allerhand Erbauliches von einem ‚vielversprechenden Sohn der Vaterstadt, dem Neffen eines unser angesehensten Mitbürger.‘ Das Zureden alter Freunde tat das Übrige. Vor seinem Tode hat er mir sogar das Zugeständnis gemacht, dass nicht jeder von Mutter Natur so glücklich begabt sein könne, um eine Zündhölzchenfabrik mit Erfolg leiten zu können, und dass es auf dieser unvollkommenen Welt auch ‚Phantasten‘ (nämlich Maler, Musiker, Dichter u. s. f.) geben müsse.“
„Und so bist du vermutlich ein herzloser Kapitalist geworden?“, fragte Ahlfeld mit einem Stirnrunzeln; (er war keiner).„Mein armer Onkel hat mich zum Erben eines sehr bedeutenden Vermögens eingesetzt“, war die Antwort.
„Was wird Fräulein Balogh dazu sagen?“, warf Schönborn aus alter Gewohnheit, sie im Gespräch mit dem Blasengel unaufhörlich zu erwähnen, ein.
„Dies zu erfahren, ist, wie ich fürchte, heute schon zu spät. Ich werde morgen meinen Besuch bei ihr machen.“
Er zog seine Uhr heraus, und so mochten ihm die verblüfften Blicke entgehen, die unser in diesem Augenblick nicht gerade sehr siegreiches Triumvirat wechselte.
„Mensch, du gedenkst doch nicht selbst ihr Haus zu betreten?“, stammelte Rupert, nach Atem schnappend, „willst du gegen ihr ausdrückliches Verbot handeln?“
Aber das war nicht mehr der alte Blasengel, der in unseren Händen biegsam wie weiches Wachs gewesen. Nicht, dass er uns misstraute; aber der ererbte Reichtum schien ihm eine bedeutende Sicherheit verliehen zu haben.
„Dieses Verbot kann nicht für immer Gültigkeit haben“, versetzte er, „ich muss endlich in meiner Herzenssache selber handeln; es geht nicht an, immer meine Freunde für mich eintreten zu lassen; denkt ihr nicht auch?“
Wir dachten in diesem Augenblick nichts anderes, als dass eine Versenkung unter unseren Füßen eine angenehme Sache wäre.
„Es ist kein Geheimnis für euch, wie wir mit einander stehen“, sagte er rot werdend.
„Ja gewiss, aber überlege doch“ –
„Überlegen?“, er blickte Rupert befremdet an. „Solange ich ein armer Teufel war, hielt ich es, so schwer es mir auch wurde, für meine Pflicht, abseits zu stehen. Das ist nun anders geworden, ich vermag ihr ein gesichertes, behagliches Los zu bieten, kann ihre Wünsche, soweit sie die Annehmlichkeiten des Lebens betreffen, erfüllen“; seine Augen blickten dabei glückselig ins weite, als sähe er seine Geliebte wie eine Rose ins weichste Moos gebettet. – „Da Ilona keine herzlose Kokette ist, hoffe ich, dass sie meine ehrliche Werbung annehmen wird, die sie nach allem nur erwarten muss.“
Schönborn und mir brach der Angstschweiß aus den Poren. Wir wechselten einen ratlosen Blick; sollten wir ihm sogleich das Spiel, das wir mit ihm getrieben, enthüllen? Aber Rupert kam uns zuvor.
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# book_title: Ein Aprilscherz
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„Mein armer Onkel hat mich zum Erben eines sehr bedeutenden Vermögens eingesetzt“, war die Antwort.
„Was wird Fräulein Balogh dazu sagen?“, warf Schönborn aus alter Gewohnheit, sie im Gespräch mit dem Blasengel unaufhörlich zu erwähnen, ein.
„Dies zu erfahren, ist, wie ich fürchte, heute schon zu spät. Ich werde morgen meinen Besuch bei ihr machen.“
Er zog seine Uhr heraus, und so mochten ihm die verblüfften Blicke entgehen, die unser in diesem Augenblick nicht gerade sehr siegreiches Triumvirat wechselte.
„Mensch, du gedenkst doch nicht selbst ihr Haus zu betreten?“, stammelte Rupert, nach Atem schnappend, „willst du gegen ihr ausdrückliches Verbot handeln?“
Aber das war nicht mehr der alte Blasengel, der in unseren Händen biegsam wie weiches Wachs gewesen. Nicht, dass er uns misstraute; aber der ererbte Reichtum schien ihm eine bedeutende Sicherheit verliehen zu haben.
„Dieses Verbot kann nicht für immer Gültigkeit haben“, versetzte er, „ich muss endlich in meiner Herzenssache selber handeln; es geht nicht an, immer meine Freunde für mich eintreten zu lassen; denkt ihr nicht auch?“
Wir dachten in diesem Augenblick nichts anderes, als dass eine Versenkung unter unseren Füßen eine angenehme Sache wäre.
„Es ist kein Geheimnis für euch, wie wir mit einander stehen“, sagte er rot werdend.
„Ja gewiss, aber überlege doch“ –
„Überlegen?“, er blickte Rupert befremdet an. „Solange ich ein armer Teufel war, hielt ich es, so schwer es mir auch wurde, für meine Pflicht, abseits zu stehen. Das ist nun anders geworden, ich vermag ihr ein gesichertes, behagliches Los zu bieten, kann ihre Wünsche, soweit sie die Annehmlichkeiten des Lebens betreffen, erfüllen“; seine Augen blickten dabei glückselig ins weite, als sähe er seine Geliebte wie eine Rose ins weichste Moos gebettet. – „Da Ilona keine herzlose Kokette ist, hoffe ich, dass sie meine ehrliche Werbung annehmen wird, die sie nach allem nur erwarten muss.“
Schönborn und mir brach der Angstschweiß aus den Poren. Wir wechselten einen ratlosen Blick; sollten wir ihm sogleich das Spiel, das wir mit ihm getrieben, enthüllen? Aber Rupert kam uns zuvor.„Das heißt männlich gesprochen“, rief er und schlug ihm auf die Schulter, „gehe zu ihr, wirb und lass dir von ihren Lippen dein Glück verkünden; wir enthalten uns von jetzt ab jeder Einmischung.“
„Das wird die würdige Krönung unsres Spaßes sein“, sagte Rupert händereibend, als sich Lichtner bald darauf verabschiedet hatte, vermutlich um von dem Glück zu träumen, das ihm ja so sicher war. „Aus ihrem eigenen Munde soll er hören, was für ein lächerlicher Narr er gewesen ist. Ich will sie sogleich einweihen.“
Er schien Ilonas ziemlich sicher zu sein, dennoch rief ich erschrocken: „Was fällt dir ein? Wie kannst du sie darüber aufklären, welche Rolle wir sie in der Komödie spielen ließen?“
„Sei ruhig; in der Beschränkung zeigt sich euch der Meister. Ihre heimliche tiefe Liebe werde ich mit einem mystischen Schleier zu verhüllen wissen, nur von ihm soll die Rede sein. Mir ist's als hörte ich sie jetzt schon bei dem Bericht helllaut auflachen.“
„Und du meinst, sie wird ihre Mitwirkung dazu leihen, den Blasengel aus allen seinen Himmeln zu reißen?“
„Wenn ich sie bitte, gewiss.“ Damit war er schon zur Tür hinaus.
„Ehe denn der Hahn kräht, wird es einen Abtrünnigen in unserem Junggesellentrio geben“, sagte Schönborn, der sich mit Vorliebe auf Weissagungen verlegt, wiewohl er das merkwürdige Unglück hat, sie nie eintreffen zu sehen, „ich wette, der arme Hugo wird morgen von der Anzeige empfangen werden: Rupert Ahlfeld, Ilona Balogh empfehlen sich als Verlobte.“
„Ich wollte, wir hätten die Geschichte hinter uns“, murrte ich verdrossen, „eigentlich haben wir uns gegen Lichtner schmählich benommen. Ich lasse mich von Rupert zu keinem dummen Streich mehr verleiten.“
Ein weiser Entschluss, den ich sehr oft fasste, aber unter dem Einfluss unseres Führers stets wieder vergaß.
Als Rupert zu uns zurückkehrte, sah er zu unserer Verwunderung alles eher denn befriedigt aus. Er schleuderte seinen Hut in eine Ecke mit der Bewegung eines Menschen, der, soll er nicht ersticken, seinem Ärger an einem unschuldigen Gegenstande Luft machen muss, und warf sich mürrisch auf einen Stuhl.
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„Das heißt männlich gesprochen“, rief er und schlug ihm auf die Schulter, „gehe zu ihr, wirb und lass dir von ihren Lippen dein Glück verkünden; wir enthalten uns von jetzt ab jeder Einmischung.“
„Das wird die würdige Krönung unsres Spaßes sein“, sagte Rupert händereibend, als sich Lichtner bald darauf verabschiedet hatte, vermutlich um von dem Glück zu träumen, das ihm ja so sicher war. „Aus ihrem eigenen Munde soll er hören, was für ein lächerlicher Narr er gewesen ist. Ich will sie sogleich einweihen.“
Er schien Ilonas ziemlich sicher zu sein, dennoch rief ich erschrocken: „Was fällt dir ein? Wie kannst du sie darüber aufklären, welche Rolle wir sie in der Komödie spielen ließen?“
„Sei ruhig; in der Beschränkung zeigt sich euch der Meister. Ihre heimliche tiefe Liebe werde ich mit einem mystischen Schleier zu verhüllen wissen, nur von ihm soll die Rede sein. Mir ist's als hörte ich sie jetzt schon bei dem Bericht helllaut auflachen.“
„Und du meinst, sie wird ihre Mitwirkung dazu leihen, den Blasengel aus allen seinen Himmeln zu reißen?“
„Wenn ich sie bitte, gewiss.“ Damit war er schon zur Tür hinaus.
„Ehe denn der Hahn kräht, wird es einen Abtrünnigen in unserem Junggesellentrio geben“, sagte Schönborn, der sich mit Vorliebe auf Weissagungen verlegt, wiewohl er das merkwürdige Unglück hat, sie nie eintreffen zu sehen, „ich wette, der arme Hugo wird morgen von der Anzeige empfangen werden: Rupert Ahlfeld, Ilona Balogh empfehlen sich als Verlobte.“
„Ich wollte, wir hätten die Geschichte hinter uns“, murrte ich verdrossen, „eigentlich haben wir uns gegen Lichtner schmählich benommen. Ich lasse mich von Rupert zu keinem dummen Streich mehr verleiten.“
Ein weiser Entschluss, den ich sehr oft fasste, aber unter dem Einfluss unseres Führers stets wieder vergaß.
Als Rupert zu uns zurückkehrte, sah er zu unserer Verwunderung alles eher denn befriedigt aus. Er schleuderte seinen Hut in eine Ecke mit der Bewegung eines Menschen, der, soll er nicht ersticken, seinem Ärger an einem unschuldigen Gegenstande Luft machen muss, und warf sich mürrisch auf einen Stuhl.„Die Weiber haben keinen Sinn für Humor“, brach er aus, „und Ilona ist in dieser Hinsicht von der Natur noch kärglicher bedacht worden, als ihre Schwestern. Glaubt ihr, sie habe die Lippen nur einmal zu einem Lächeln verzogen, als ich ihr die himmelschreienden Dummheiten ihres Troubadours schilderte?“
„Hast du ihr erzählt, dass er sich wochenlang mit Hering, Wurst und Kartoffeln vergnügt hat, damit die hübsche Nanni in unserer Kneipe jeden Morgen die prachtvollsten, roten Zentifolien auf ihre Kammer trage?“, fragte Schönborn, der sich nicht vorstellen konnte, dass unser famoser Spaß ungewürdigt blieb, und der es deshalb vorzog, das Darstellungstalent unseres Freundes anzuzweifeln.
„Du kannst dir denken, dass ich es mir nicht entgehen ließ; und was für Farben ich auftrug! Stünden sie mir so für die Leinwand zu Gebote, dann würde ich Makarts Ruhm in einem halben Jahr verdunkeln. Lerne einer die Frauen aus! Statt den dummen Tropf auszulachen, schien sie Mitleid für ihn zu fühlen. Es machte mir den Eindruck, als wäre ihr seine stumme Huldigung nicht entgangen.“
„Dass wir darauf nicht verfielen!“, sagte ich verblüfft, „die Stadt sprach davon, wie konnte ihr allein sein Minnedienst verborgen bleiben!“
„Und nun ärgerte es sie vermutlich, dass die Toggenburgerei nicht so ganz spontan war. Sie gab mir ein Pröbchen ihres Pusztentemperaments, dass sich mir in der Erinnerung daran die Haare sträuben. Für solche elende Possen sei der Name eines schutzlosen Mädchens zu gut, rief sie, als sie hörte, ich habe ihn zu seinen Narrheiten mit der Vorspiegelung bestimmt, er entspreche durch dieselben ihren Wünschen. Mein Benehmen sei unritterlich, eines Gentleman unwürdig gewesen; was sie über euch, meine Gehilfen, gesagt, will ich lieber verschweigen.“
„Also will sie nichts von der Rolle wissen, die du ihr zugeteilt?“, fragte ich, nicht sonderlich bekümmert; mir sagte die Pointe unseres Spaßes nicht so zu, wie Rupert, der seit der Rückkehr unseres Blasengels eine seltsame Gereiztheit gegen ihn verriet.

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„Die Weiber haben keinen Sinn für Humor“, brach er aus, „und Ilona ist in dieser Hinsicht von der Natur noch kärglicher bedacht worden, als ihre Schwestern. Glaubt ihr, sie habe die Lippen nur einmal zu einem Lächeln verzogen, als ich ihr die himmelschreienden Dummheiten ihres Troubadours schilderte?“
„Hast du ihr erzählt, dass er sich wochenlang mit Hering, Wurst und Kartoffeln vergnügt hat, damit die hübsche Nanni in unserer Kneipe jeden Morgen die prachtvollsten, roten Zentifolien auf ihre Kammer trage?“, fragte Schönborn, der sich nicht vorstellen konnte, dass unser famoser Spaß ungewürdigt blieb, und der es deshalb vorzog, das Darstellungstalent unseres Freundes anzuzweifeln.
„Du kannst dir denken, dass ich es mir nicht entgehen ließ; und was für Farben ich auftrug! Stünden sie mir so für die Leinwand zu Gebote, dann würde ich Makarts Ruhm in einem halben Jahr verdunkeln. Lerne einer die Frauen aus! Statt den dummen Tropf auszulachen, schien sie Mitleid für ihn zu fühlen. Es machte mir den Eindruck, als wäre ihr seine stumme Huldigung nicht entgangen.“
„Dass wir darauf nicht verfielen!“, sagte ich verblüfft, „die Stadt sprach davon, wie konnte ihr allein sein Minnedienst verborgen bleiben!“
„Und nun ärgerte es sie vermutlich, dass die Toggenburgerei nicht so ganz spontan war. Sie gab mir ein Pröbchen ihres Pusztentemperaments, dass sich mir in der Erinnerung daran die Haare sträuben. Für solche elende Possen sei der Name eines schutzlosen Mädchens zu gut, rief sie, als sie hörte, ich habe ihn zu seinen Narrheiten mit der Vorspiegelung bestimmt, er entspreche durch dieselben ihren Wünschen. Mein Benehmen sei unritterlich, eines Gentleman unwürdig gewesen; was sie über euch, meine Gehilfen, gesagt, will ich lieber verschweigen.“
„Also will sie nichts von der Rolle wissen, die du ihr zugeteilt?“, fragte ich, nicht sonderlich bekümmert; mir sagte die Pointe unseres Spaßes nicht so zu, wie Rupert, der seit der Rückkehr unseres Blasengels eine seltsame Gereiztheit gegen ihn verriet.„Das hat sie mir zu meinem Erstaunen doch nicht abgeschlagen“, entgegnete er, „sie will ihn morgen Nachmittag empfangen und die nötige Aufklärung geben; entweder fürchtet sie, dieselbe könne aus unserem Munde nicht schonend genug ausfallen, oder die Freude am Komödiespielen ist, trotz allen Mitleids für ihren Getreuen denn doch in ihr erwacht.“
„Schade, dass wir der Entwicklung des Knotens nicht ungesehen beiwohnen können“, meinte Karl, „der Ring des Gyges wäre jetzt gar nicht übel.“
„Es ist noch die Frage, ob wir nicht ohne diesen zurecht kommen“, warf Rupert hin; doch selbst er wurde ein wenig verlegen. „Bei schönem Wetter hält sich Fräulein Balogh meist im Garten auf und empfängt auch dort ihre Gäste.“
„Und da belauerst du sie ohne Zweifel in unserem Gartenhause an der Mauer! Höre Ahlfeld, du bist ein noch größerer Tunichtgut, als ich vermutet“, rief Karl bewundernd.
Wie die drei Verschworenen aus einer Operette steckten wir am nächsten Nachmittage in dem windschiefen Gartenhäuschen, dessen Dielen zu unserem Ärger bei jeder Bewegung verräterisch knarrten. Wir konnten das Schlachtfeld genau übersehen. Kaum zehn Schritte von uns entfernt saß Fräulein Ilona mit einer Handarbeit unter einem Kastanienbaume; sie war um einen Schatten blässer als gewöhnlich und sah für einen Aprilspaß ungemein ernsthaft aus. Über den Kiespfad kam der Blasengel mit einem Gesicht heran, das den lieben Herrgott zu fragen schien „was kostet deine Welt?“ Das Fräulein hielt wie in großer Befangenheit die Augen auf die Arbeit gesenkt, die Röte, die auf ihrem Gesichte kam und ging, hätte jeden glauben machen können, ein wirklich verliebtes Mägdlein erblicke den Erkorenen ihres Herzens.
„An ihr ist eine große Schauspielerin verloren gegangen“, flüsterte Rupert entzückt.
„Sie spielt zu gut“, murrte ich, „sein Sturz aus der Höhe wird fürchterlich sein.“
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„Das hat sie mir zu meinem Erstaunen doch nicht abgeschlagen“, entgegnete er, „sie will ihn morgen Nachmittag empfangen und die nötige Aufklärung geben; entweder fürchtet sie, dieselbe könne aus unserem Munde nicht schonend genug ausfallen, oder die Freude am Komödiespielen ist, trotz allen Mitleids für ihren Getreuen denn doch in ihr erwacht.“
„Schade, dass wir der Entwicklung des Knotens nicht ungesehen beiwohnen können“, meinte Karl, „der Ring des Gyges wäre jetzt gar nicht übel.“
„Es ist noch die Frage, ob wir nicht ohne diesen zurecht kommen“, warf Rupert hin; doch selbst er wurde ein wenig verlegen. „Bei schönem Wetter hält sich Fräulein Balogh meist im Garten auf und empfängt auch dort ihre Gäste.“
„Und da belauerst du sie ohne Zweifel in unserem Gartenhause an der Mauer! Höre Ahlfeld, du bist ein noch größerer Tunichtgut, als ich vermutet“, rief Karl bewundernd.
Wie die drei Verschworenen aus einer Operette steckten wir am nächsten Nachmittage in dem windschiefen Gartenhäuschen, dessen Dielen zu unserem Ärger bei jeder Bewegung verräterisch knarrten. Wir konnten das Schlachtfeld genau übersehen. Kaum zehn Schritte von uns entfernt saß Fräulein Ilona mit einer Handarbeit unter einem Kastanienbaume; sie war um einen Schatten blässer als gewöhnlich und sah für einen Aprilspaß ungemein ernsthaft aus. Über den Kiespfad kam der Blasengel mit einem Gesicht heran, das den lieben Herrgott zu fragen schien „was kostet deine Welt?“ Das Fräulein hielt wie in großer Befangenheit die Augen auf die Arbeit gesenkt, die Röte, die auf ihrem Gesichte kam und ging, hätte jeden glauben machen können, ein wirklich verliebtes Mägdlein erblicke den Erkorenen ihres Herzens.
„An ihr ist eine große Schauspielerin verloren gegangen“, flüsterte Rupert entzückt.
„Sie spielt zu gut“, murrte ich, „sein Sturz aus der Höhe wird fürchterlich sein.“Darüber entgingen uns die ersten Worte der Begrüßung. Das Pärlein saß nebeneinander auf einer Gartenbank. Die Sonne machte sich das Vergnügen, ihnen goldene Funken auf das Haar zu streuen, hie und da fiel tanzend ein Blatt vom Baume herab; das sah sehr hübsch und friedlich und für Maleraugen ganz anziehend aus, aber mir bereitete der Anblick keinen Genuss, denn ich – eine ins Männliche übertragene Kassandra – sah das Unheil unter dem Kastanienbaum brauen.
„Ich bin glücklich, dass Sie mir diese Unterredung gewähren, Fräulein Ilona“, begann Hugo, bei weitem nicht so zaghaft, wie ich vorausgesetzt; (wir hatten es uns ja auch angelegen sein lassen, ihm durch die deutlichsten Beweise ihrer Neigung die Flügel zu steifen).
„Warum hätte ich Ihre Bitte abschlagen sollen?“, erwiderte sie, „freue ich mich doch selber, Ihnen endlich meinen Dank für die schönen Blumen aussprechen zu können, mit welchen Sie mich jeden Morgen überraschten.“
Wir sahen einander starr an; – welche Idee, für Blumen zu danken, die sie nie bekommen!
„Wer hat es Ihnen verraten, dass volle, rote Rosen meine Lieblinge sind?“
„Ich dachte an Ihre Landsmännin, die heilige Elisabeth“, sagte er vergnügt.
„Und ich konnte zum Danke dafür, dass Sie der Fremden in Ihrer Stadt so viel anheimelnd Freundliches erwiesen, nichts für Sie tun.“
„Nichts?“, fragte er vorwurfsvoll und fuhr unwillkürlich mit der Hand nach der Brusttasche, in welcher der gekaufte Haarsträhn samt Bändern und Blümelein ohne Zweifel wohlgeborgen ruhte. Mit Falkenaugen folgte sie seiner Bewegung.
„O, ich vergaß; was war es nur? eine Haarlocke, eine Schleife und dergleichen, nicht wahr?“
Wir konnten von unserem Versteck aus beobachten, wie sich dunkle Röte über ihr Gesicht ergoss und sie die Hand in den Kleiderfalten zu einer Faust ballte. Das galt uns. Diesen Teil der Historie hatte Rupert nicht für gut befunden, ihr zu enthüllen.
„Ilona, wissen Sie, welche Deutung ich Ihren Andenken gab?“
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Darüber entgingen uns die ersten Worte der Begrüßung. Das Pärlein saß nebeneinander auf einer Gartenbank. Die Sonne machte sich das Vergnügen, ihnen goldene Funken auf das Haar zu streuen, hie und da fiel tanzend ein Blatt vom Baume herab; das sah sehr hübsch und friedlich und für Maleraugen ganz anziehend aus, aber mir bereitete der Anblick keinen Genuss, denn ich – eine ins Männliche übertragene Kassandra – sah das Unheil unter dem Kastanienbaum brauen.
„Ich bin glücklich, dass Sie mir diese Unterredung gewähren, Fräulein Ilona“, begann Hugo, bei weitem nicht so zaghaft, wie ich vorausgesetzt; (wir hatten es uns ja auch angelegen sein lassen, ihm durch die deutlichsten Beweise ihrer Neigung die Flügel zu steifen).
„Warum hätte ich Ihre Bitte abschlagen sollen?“, erwiderte sie, „freue ich mich doch selber, Ihnen endlich meinen Dank für die schönen Blumen aussprechen zu können, mit welchen Sie mich jeden Morgen überraschten.“
Wir sahen einander starr an; – welche Idee, für Blumen zu danken, die sie nie bekommen!
„Wer hat es Ihnen verraten, dass volle, rote Rosen meine Lieblinge sind?“
„Ich dachte an Ihre Landsmännin, die heilige Elisabeth“, sagte er vergnügt.
„Und ich konnte zum Danke dafür, dass Sie der Fremden in Ihrer Stadt so viel anheimelnd Freundliches erwiesen, nichts für Sie tun.“
„Nichts?“, fragte er vorwurfsvoll und fuhr unwillkürlich mit der Hand nach der Brusttasche, in welcher der gekaufte Haarsträhn samt Bändern und Blümelein ohne Zweifel wohlgeborgen ruhte. Mit Falkenaugen folgte sie seiner Bewegung.
„O, ich vergaß; was war es nur? eine Haarlocke, eine Schleife und dergleichen, nicht wahr?“
Wir konnten von unserem Versteck aus beobachten, wie sich dunkle Röte über ihr Gesicht ergoss und sie die Hand in den Kleiderfalten zu einer Faust ballte. Das galt uns. Diesen Teil der Historie hatte Rupert nicht für gut befunden, ihr zu enthüllen.
„Ilona, wissen Sie, welche Deutung ich Ihren Andenken gab?“„Ich weiß es; wenn ein Mädchen, ohne Einspruch zu erheben, sich die stumme und doch so beredte Huldigung eines Mannes gefallen lässt, wenn sie monatelang seine Blumen annimmt und ihn sogar durch kleine Liebespfänder aufmuntert, dann ist sie entweder eine Gefallsüchtige und nicht wert, dass ein Mann einen Gedanken an sie verschwende, oder –“
„Oder?“, jubelte Hugo, „sprich es aus, Geliebte!“
„Oder sie erwidert seine Neigung.“
„Das geht zu weit“, murmelte Rupert zu meinem Erstaunen in lebhafter Unruhe, „es ist eine unnütze Grausamkeit, so auf seine Einbildung einzugehen.“
Hugo hatte sich der Hand Ilonas bemächtigt, doch sie entzog sie ihm. „Noch nicht“, sagte sie und richtete sich hoch auf.
Jetzt kam ohne Zweifel die Katastrophe heran. Ich bekenne, dass mir das Herz bänglich an die Rippen klopfte. Der arme Blasengel sah förmlich rührend in seinem Glück aus.

„Die Zeichen haben Sie betrogen, die Blumen wurden an eine falsche Adresse befördert, die Liebespfänder von schalen Possenreißern (unsere verdutzten Gesichter bei diesem Ehrentitel hätte ich selber malen mögen) in Ihre Hände gespielt; das Ganze war nur ein Aprilscherz.“
Wir durften beruhigt aufatmen, die auszeichnende Inschrift auf den Grabmonumenten war uns gewiss; das Gesicht des Blasengels erschien grau und hart wie ein Stein.
„Ein Aprilscherz? Und dazu gaben Sie sich her?“ Geringschätzung und Empörung stritten in seinen Mienen.
Wir hörten deutlich, dass der leichte Ton, in dem sie antwortete, erzwungen war.
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„Ich weiß es; wenn ein Mädchen, ohne Einspruch zu erheben, sich die stumme und doch so beredte Huldigung eines Mannes gefallen lässt, wenn sie monatelang seine Blumen annimmt und ihn sogar durch kleine Liebespfänder aufmuntert, dann ist sie entweder eine Gefallsüchtige und nicht wert, dass ein Mann einen Gedanken an sie verschwende, oder –“
„Oder?“, jubelte Hugo, „sprich es aus, Geliebte!“
„Oder sie erwidert seine Neigung.“
„Das geht zu weit“, murmelte Rupert zu meinem Erstaunen in lebhafter Unruhe, „es ist eine unnütze Grausamkeit, so auf seine Einbildung einzugehen.“
Hugo hatte sich der Hand Ilonas bemächtigt, doch sie entzog sie ihm. „Noch nicht“, sagte sie und richtete sich hoch auf.
Jetzt kam ohne Zweifel die Katastrophe heran. Ich bekenne, dass mir das Herz bänglich an die Rippen klopfte. Der arme Blasengel sah förmlich rührend in seinem Glück aus.
„Die Zeichen haben Sie betrogen, die Blumen wurden an eine falsche Adresse befördert, die Liebespfänder von schalen Possenreißern (unsere verdutzten Gesichter bei diesem Ehrentitel hätte ich selber malen mögen) in Ihre Hände gespielt; das Ganze war nur ein Aprilscherz.“
Wir durften beruhigt aufatmen, die auszeichnende Inschrift auf den Grabmonumenten war uns gewiss; das Gesicht des Blasengels erschien grau und hart wie ein Stein.
„Ein Aprilscherz? Und dazu gaben Sie sich her?“ Geringschätzung und Empörung stritten in seinen Mienen.
Wir hörten deutlich, dass der leichte Ton, in dem sie antwortete, erzwungen war.„Mein Gott, was soll ein armes Mädchen tun, wenn es zu seinem guten Recht kommen will? Sitte und Herkommen stellen sich in Wehr und Waffen gegen sie auf, sobald sie ein wenig ihre eigene Vorsehung spielen möchte; so muss sie es denn mit Freude begrüßen, wenn andre – und wären es auch nur läppische Clowns – es für sie tun. Blicken Sie mich nicht so strafend an, Herr Lichtner, ich habe Ihnen manches zu beichten, wozu ich eigentlich der Aufmunterung bedarf! – Auf Schritt und Tritt haben mich seit Monaten ein paar treue, blaue Augen verfolgt. Sie hefteten sich im Tanzsaal auf mich, während ich mich im Kreise drehte; sie begleiteten mich auf meinen Spaziergängen, ja selbst in den Bildergalerien sah ich sie unverwandt auf mich gerichtet und bald las ich in ihnen wie in einem an mich gerichteten Briefe.
Der Inhalt war sehr hübsch, vielleicht ein wenig zu schwärmerisch für unsere kühle kluge Zeit, aber welches Mädchen ließe sich nicht mit Freuden wie eine Heilige aus dem Kalender, statt wie das gewöhnliche Menschenkind, das sie ist, bewundern! Aber wo blieb das lebendige Wort? ‚Warum kommt er nicht und spricht mich an?‘ fragte ich mich oft, ‚So viele gleichgültige platte Gesellen drängen sich mir auf, weil ihnen meine Unterhaltung behagt, oder mein Gesicht gefällt, nur der einzige, der wirklich warm für mich empfindet, hält sich abseits.‘ Zuweilen grollte ich Ihnen, manchmal fasste ich tolle Pläne, die sich nie verwirklichen ließen, um Sie aus den Ecken hervorzulocken, in welche Sie sich wie eine Fledermaus verbargen. Bis mir endlich eine Rolle in der hässlichen Posse zugeteilt ward und mit ihr die Gewissheit, den stummen Mund einmal sprechen zu hören. Sind Sie mir noch böse, dass ich sie übernahm?“
„Ihnen Ilona? Nein, ich bin es nur mir selber. Was für ein alberner Narr bin ich gewesen! Wie müssen Sie über den veralteten Minnewerber gelacht haben!“
„Gelacht? nein; vielleicht im stillen gelächelt. Und auch das nur im Anfang. Später fühlte ich mich gerührt und beschämt. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, dass mir vor vielen Würdigeren ein großes Glück zugefallen, dass für mich das schöne Wort Wahrheit und mir die Liebe, die das ihrige nicht fordert, zu Teil geworden.“
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„Mein Gott, was soll ein armes Mädchen tun, wenn es zu seinem guten Recht kommen will? Sitte und Herkommen stellen sich in Wehr und Waffen gegen sie auf, sobald sie ein wenig ihre eigene Vorsehung spielen möchte; so muss sie es denn mit Freude begrüßen, wenn andre – und wären es auch nur läppische Clowns – es für sie tun. Blicken Sie mich nicht so strafend an, Herr Lichtner, ich habe Ihnen manches zu beichten, wozu ich eigentlich der Aufmunterung bedarf! – Auf Schritt und Tritt haben mich seit Monaten ein paar treue, blaue Augen verfolgt. Sie hefteten sich im Tanzsaal auf mich, während ich mich im Kreise drehte; sie begleiteten mich auf meinen Spaziergängen, ja selbst in den Bildergalerien sah ich sie unverwandt auf mich gerichtet und bald las ich in ihnen wie in einem an mich gerichteten Briefe.
Der Inhalt war sehr hübsch, vielleicht ein wenig zu schwärmerisch für unsere kühle kluge Zeit, aber welches Mädchen ließe sich nicht mit Freuden wie eine Heilige aus dem Kalender, statt wie das gewöhnliche Menschenkind, das sie ist, bewundern! Aber wo blieb das lebendige Wort? ‚Warum kommt er nicht und spricht mich an?‘ fragte ich mich oft, ‚So viele gleichgültige platte Gesellen drängen sich mir auf, weil ihnen meine Unterhaltung behagt, oder mein Gesicht gefällt, nur der einzige, der wirklich warm für mich empfindet, hält sich abseits.‘ Zuweilen grollte ich Ihnen, manchmal fasste ich tolle Pläne, die sich nie verwirklichen ließen, um Sie aus den Ecken hervorzulocken, in welche Sie sich wie eine Fledermaus verbargen. Bis mir endlich eine Rolle in der hässlichen Posse zugeteilt ward und mit ihr die Gewissheit, den stummen Mund einmal sprechen zu hören. Sind Sie mir noch böse, dass ich sie übernahm?“
„Ihnen Ilona? Nein, ich bin es nur mir selber. Was für ein alberner Narr bin ich gewesen! Wie müssen Sie über den veralteten Minnewerber gelacht haben!“
„Gelacht? nein; vielleicht im stillen gelächelt. Und auch das nur im Anfang. Später fühlte ich mich gerührt und beschämt. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, dass mir vor vielen Würdigeren ein großes Glück zugefallen, dass für mich das schöne Wort Wahrheit und mir die Liebe, die das ihrige nicht fordert, zu Teil geworden.“„Sie stellen mich zu hoch“, rief Lichtner, „denn ich kam, um zu fordern, um Sie zu fordern. Ich bin nicht so genügsam und selbstlos wie Sie denken, ich strecke meine Hand gierig nach dem höchsten Glück aus, das mir das Leben gewähren kann.“
„Und warum kamen Sie erst heute?“, entgegnete sie mit einem Triumphlächeln. „Weil Sie nun das Weib Ihrer Liebe in Purpur und köstliches Linnen hüllen können, als wäre es die Königin von Saba. Dieselbe sorgende, opferwillige Liebe spricht heute aus Ihrem Kommen, wie ehemals aus Ihrem Fernbleiben. Sie wandelten diesmal auf einem Irrweg, denn ich gehöre nicht zu den Frauen, die sich an Wohlstand und Komfort verschenken; – wären Sie enterbt, ohne andre Aussichten, als Ihr Talent und Fleiß sie Ihnen eröffnen, zu mir gekommen, ich hätte Ihnen genau so wie heute zugerufen: Hugo, wenn Sie mich eitles, oberflächliches Geschöpf, das Ihre große, aufopfernde Liebe nicht verdient, an Ihr Herz nehmen wollen, so bin ich die Ihre!“

Stockend, im ganzen Gesicht erglühend, sprach sie die letzten Worte. Selbst einem in irdischen Dingen äußerst unbewanderten Blasengel musste dies als der geeignetste Zeitpunkt erscheinen, sie stürmisch in die Arme zu schließen. Für uns hingegen erwies es sich als passend und angemessen, dem Tête-à-tête endlich die wünschenswerte Einsamkeit zu verschaffen. Rupert lief wütend wie ein angeschossener Eber davon (auf Monate hinaus allen Späßen so feind, wie der griesgrämigste Schulmeister). Wir zwei folgten ihm und trotz aller Freundschaft für ihn winkten wir einander behaglich zu. Es erweist sich stets als im hohen Grade befriedigend für die unbeteiligten Zuschauer (und als solche fühlten wir uns trotz unserer schwächlichen Vorschubleistung der Posse), wenn die Tugend an der gutbesetzten Tafel Platz nimmt.
„Das war ein zweischneidiger Aprilscherz“, raunte ich Schönborn ins Ohr.
„O, ich habe von allem Anfang an vorausgesehen, dass es so kommen werde!“
Das einzigemal in seinem Leben hatte er eine Prophezeiung für sich behalten, und die ist in Erfüllung gegangen.
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„Sie stellen mich zu hoch“, rief Lichtner, „denn ich kam, um zu fordern, um Sie zu fordern. Ich bin nicht so genügsam und selbstlos wie Sie denken, ich strecke meine Hand gierig nach dem höchsten Glück aus, das mir das Leben gewähren kann.“
„Und warum kamen Sie erst heute?“, entgegnete sie mit einem Triumphlächeln. „Weil Sie nun das Weib Ihrer Liebe in Purpur und köstliches Linnen hüllen können, als wäre es die Königin von Saba. Dieselbe sorgende, opferwillige Liebe spricht heute aus Ihrem Kommen, wie ehemals aus Ihrem Fernbleiben. Sie wandelten diesmal auf einem Irrweg, denn ich gehöre nicht zu den Frauen, die sich an Wohlstand und Komfort verschenken; – wären Sie enterbt, ohne andre Aussichten, als Ihr Talent und Fleiß sie Ihnen eröffnen, zu mir gekommen, ich hätte Ihnen genau so wie heute zugerufen: Hugo, wenn Sie mich eitles, oberflächliches Geschöpf, das Ihre große, aufopfernde Liebe nicht verdient, an Ihr Herz nehmen wollen, so bin ich die Ihre!“
Stockend, im ganzen Gesicht erglühend, sprach sie die letzten Worte. Selbst einem in irdischen Dingen äußerst unbewanderten Blasengel musste dies als der geeignetste Zeitpunkt erscheinen, sie stürmisch in die Arme zu schließen. Für uns hingegen erwies es sich als passend und angemessen, dem Tête-à-tête endlich die wünschenswerte Einsamkeit zu verschaffen. Rupert lief wütend wie ein angeschossener Eber davon (auf Monate hinaus allen Späßen so feind, wie der griesgrämigste Schulmeister). Wir zwei folgten ihm und trotz aller Freundschaft für ihn winkten wir einander behaglich zu. Es erweist sich stets als im hohen Grade befriedigend für die unbeteiligten Zuschauer (und als solche fühlten wir uns trotz unserer schwächlichen Vorschubleistung der Posse), wenn die Tugend an der gutbesetzten Tafel Platz nimmt.
„Das war ein zweischneidiger Aprilscherz“, raunte ich Schönborn ins Ohr.
„O, ich habe von allem Anfang an vorausgesehen, dass es so kommen werde!“
Das einzigemal in seinem Leben hatte er eine Prophezeiung für sich behalten, und die ist in Erfüllung gegangen.
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